Einfach mal die Perspektive ändern

Mit ganzer Armkraft durch Potsdams Innenstadt

Am 5. Mai 2016 wird zum 23. Mal der europäische Protesttag für Menschen mit Behinderung begangen. Im Fokus steht dabei die Barrierefreiheit. Unter dem Motto „Einfach für alle – Gemeinsam für eine barrierefreie Stadt" geht es auch um bauliche Barrieren. 20 junge Menschen, die derzeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr beim ASB-Landesverband Brandenburg e.V. absolvieren, haben genau hingesehen und im Vorfeld den Potsdam-Stadttest gemacht.


Sind Busse und Bahnen barrierefrei? Kann ich Schlösser und Parkanlagen auch allein im Rollstuhl erkunden? Und shoppen im Rollstuhl, funktioniert das überhaupt? Für eineinhalb Stunden haben die Jugendlichen ihre Perspektive geändert. Statt zu Fuß machen sie sich gruppenweise im Rolli auf den Weg - quer durch die historische Innenstadt. Quer im wahrsten Sinne des Wortes. „Geradeaus fahren ist gar nicht so einfach", stellt Teilnehmer Max Wolff (20 Jahre) schon nach wenigen Metern fest. Brenzlig wurde es an der sehr belebten Brandenburger Straße. Hinter einem Bus versucht Max mit dem Rolli über eine Bordsteinkante zu fahren. Fehlanzeige. Auch beim zweiten Mal klappt es nicht. Ein Passant sieht die Situation und greift beherzt zu. Zusammen schaffen sie es schließlich auf den Gehweg. „Damit hab ich ja nun gar nicht gerechnet. Allein hätte ich das nicht gepackt, das war echt nett von dem Mann.", sagt Max erstaunt. Diana Schwalbe, Referentin für Freiwilligendienste beim ASB hat schon des Öfteren Rollstuhltests durchgeführt: „Die Jugendlichen sollen den Alltag im Rollstuhl erleben, daher haben wir uns bewusst belebte Stellen ausgesucht. Hier in der Innenstadt sind immer viele Menschen unterwegs."
An einer ruhigen und unbeobachteten Stelle - Rollenwechsel.

Umziehen im Wickelraum

 Max Begleiter, Marc Hedmann (18 Jahre), setzt sich in den Rolli und möchte bei H&M ein T-Shirt kaufen. Die Herrenabteilung befindet sich im 2. Obergeschoss. Mit dem Rolli steuert Marc den Fahrstuhl an. Er passt geradeso rein. Der Spießrutenlauf beginnt bei der Suche nach dem passenden T-Shirt. Enge Gänge machen die Fahrt fast unmöglich, hervorstehende Kleiderstangen in Kopfhöhe werden schnell zur Unfallgefahr. Marc braucht viel länger bei der Suche. „Im Rolli guckt man aus einer anderen Perspektive.Sonst kann ich alles überblicken und sehe, wo die Sachen hängen. Jetzt muss ich mich durchschlängeln und aufpassen, dass ich die Sachen nicht mit den Rädern mitnehme, sagt Marc." Schließlich findet er ein T-Shirt und steuert die Umkleidekabine an. Die Tür ist zu eng und stellt fest, eine Umkleide für Rollifahrer gibt es hier nicht. Im Wickelraum probiert er das T-Shirt an und möchte sich im Spiegel ansehen. Doch dafür reicht der Wendeplatz nicht. Bei Marc hat die Shoppingtour einen sehr prägenden Eindruck hinterlassen: "Sonst kann ich überall schnell hinlaufen, im Rolli hast Du keine Chance. Ohne Hilfe ist man hier echt aufgeschmissen."

So wie Marc und Max haben auch alle anderen Teilnehmer ihre persönlichen Erfahrungen im Rollstuhl gemacht. Per Handantrieb übers Kopfsteinpflaster fahren, die Straße überqueren und die Suche nach abgesenkten Bordsteinen war für alle FSJ-ler sehr anstrengend. Unerträglich hingegen empfanden die Jugendlichen die verletzenden Bemerkungen einiger Passanten und das Gefühl ständig angestarrt zu werden. Einfach mal die Perspektive ändern - eigentlich ganz einfach.

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