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Einmal noch zur Trauung der Tochter

Ohne ihren Vater heiraten, das kam für Jasmin Kanwischer nicht in Frage. Ihre standesamtliche Trauung auf Schloss Ribbeck nahe der Stadt Nauen war für den 18. Mai 2019 geplant. Alles war für diesen Tag vorbereitet. Ihr Brautkleid - ein Geschenk ihres Vaters Volker - längst gekauft.

Dann der Schicksalsschlag. Wenige Tage vor der Hochzeit bekam ihr Vater die Diagnose, Krebs im Endstadium. Die Nachricht traf ihn und seine Tochter wie ein Schlag. Leere und tiefe Verzweiflung kamen auf und auch die Frage nach der Hochzeit. Jasmin und ihr Mann Maximilian entschieden sich für die Trauung mit ihrem Vater. Sie fragten beim Wünschewagen an. Unbeschreiblich ihre Freude, als sie erfuhren, dass die Fahrt mit ihrem Vater stattfinden kann.

Bei strahlendem Sonnenschein begleiteten unsere beiden Brandenburger Wunscherfüller Dr. Anette Sillack und Daniela Küpper ihren Fahrgast zur Hochzeit. Gezeichnet von seiner Krankheit und sehr starker Schmerzen war Volker G. an diesem Tag überglücklich. Im Schloss angekommen warteten die Hochzeitsgäste bereits im Saal. Er saß noch draußen vor der Tür und wollte seine Tochter als erster im Brautkleid sehen. Volker G. strahlte als er seine Jasmin sah. Freudentränen kullern. Dann öffnete sich die Tür. Im Rollstuhl sitzend, begleitete er stolz seine Tochter in den Trauungssaal. In diesem Augenblick erfüllte sich sein innigster Wunsch. In seiner anschließenden Rede bedankte sich Volker G. bei seinen Kindern und Schwiegereltern, die sich mit Herz und Seele um ihn kümmerten. Er freute sich, dass er im neuen Eigenheim seiner Tochter ein eigenes barrierefreies Zimmer bekam. Gefeiert wurde an diesem Tag bis spät in die Nacht. Herr G. mobilisierte alle seine Kräfte und hielt bis kurz nach 22 Uhr durch. Müde und zufrieden fuhren Daniela und Anette Herrn G. nach Hause.

Vor der Heimfahrt bedankte sich das Brautpaar bei beiden Helferinnen für diesen wunderbaren Tag und überreichten ihnen einen Umschlag. Während der Feier sammelten sie unter ihren Hochzeitsgästen Spenden für den Wünschewagen, um auch anderen schwerstkranken Menschen eine Fahrt zu ermöglichen. „An diesem Tag lernten wir wahnsinnig herzliche Menschen kennen. Wir waren schwer beeindruckt vom Miteinander und Füreinander der gesamten Familie", erzählten Daniela und Anette nach der Fahrt.

Einen Tag nach der Hochzeit verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Herrn G. stark. Zwei Tage später verstarb Volker G.. Seine Kinder waren an seiner Seite.

Martin Reischke, Autor beim Deutschlandfunk Kultur begleitete diese Wunschfahrt. Seine Reportage „Volkers letzte Reise“ können Sie hier hören.