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Wunschfahrt

Noch einmal mit der Familie an die Ostsee

Noch einmal mit der ganzen Familie ans Meer - das war der große Herzenswunsch von Frau S. aus Woltersdorf im Landkreis Oberhavel. Ihr Wunsch wurde Mitte August erfüllt und für die Familie eine ganz besondere Erinnerung geschaffen.

„Ich möchte noch einmal nach Usedom, noch einmal das Meer sehen. Dahin, wo man gut zum Strand kommt. Ich wünsche mir meine Familie und ein Picknick.“

Dieser große Herzenswunsch erreichte Chantal Waschmann, Projektkoordinatorin des „Brandenburger Wünschewagens“. Sie wusste bereits nach einem sehr netten Telefonat mit der Wünschenden Frau S. aus Woltersdorf, dass ihrem Reisewunsch – auch in Zeiten der Corona-Krise – nichts im Weg stand.

Frau S. war Tochter, Mutter und Oma und entsprechend groß war ihre Familie, die gemeinsam mit ihr auf die Sonneninsel Usedom reisen sollte. Aufgrund einer Krebserkrankung lebte Frau S. mittlerweile im Diakonie-Hospiz Woltersdorf, von wo aus die Reise startete. Als der Wünschewagen an einem perfekten Sommertag im August morgens vor dem Hospiz eintraf, war bereits die ganze Familie vor Ort. Vier Generationen, darunter auch die beiden Enkelkinder (9 und 14 Jahre), die Tochter und die 81-jährige Mutter von Frau S. Nach den nötigen Corona-Tests und Einweisungen ging die Reise los. Ehemann und Mutter nahmen im Wünschewagen Platz, die restlichen Familienmitglieder fuhren im Konvoi hinterher – insgesamt 11 Personen!

An einem kleinen Dorfteich an der Landstraße Richtung Ostsee gab es eine kurze Rast mit Brötchen und Kaffee, da die Tochter auch einen Teil der Strecke neben ihrer Mutter sitzen wollte. Ein Blick auf ihre Mama und die Tränen liefen. „Du heulst jetzt aber nicht den ganzen Tag“, sagte Frau S. zu ihrem Kind.  

In Heringsdorf warteten sechs Strandkörbe von „Heidis Strandbüdchen“ auf die große Familie, die so arrangiert waren, dass alle einen guten Blick auf das Meer hatten. Erschöpft lehnte sich Frau S. zurück. Mit einem glücklichen Lächeln auf all ihre Lieben, blickte sie endlich entspannt in Richtung Meer.

Die Chemie zwischen den ASB-Wunscherfüllerinnen Kerstin Henn und Chantal Waschmann  und den Familienangehörigen stimmte auf Anhieb. „Können wir da mal hingehen?“, fragte Frau S. Kerstin Henn. „Untergehenkelt“ gingen sie langsam durch den weichen, warmen Sandstrand. Es kostete Frau S. große Anstrengung, doch gemeinsam schafften sie es. Die Füße im Wasser, der Blick in die Ferne. So stand sie da, glücklich!

Die Kameras klickten. Alle wollten diesen Augenblick für immer und ewig festhalten. Als schließlich das Picknick aufgebaut wurde, zogen plötzlich dunkle Gewitterwolken auf und es begann in Strömen zu regnen. Blitz und Donner, Hagel und Wind ließen alle in die Strandkörbe flüchten. Der Stimmung hat das keinen Abbruch getan. Die Gruppe war weiter fröhlich und dann leider auch pitschnass. Frau S.  saß entspannt in ihrem Strandkorb, eingewickelt in Handtüchern.

Nach etwas mehr als einer Stunde war die Sonne wieder da. Jetzt gab es für alle eine Runde heißen Kaffee. „Es wurde gebuddelt, geredet, gestreichelt, gelacht und auch geweint. Jeder der Familie saß mal neben Frau S. im Strandkorb. Wie sehr sich alle lieb haben, war den ganzen Tag spürbar“, erzählt Kerstin Henn.

Nach einer Baderunde im Meer war es Zeit, zurückzufahren. Frau S. war froh, sich hinlegen zu können. Ihre Augen strahlten trotz ihrer Erschöpfung. Zum Abschluss gab es noch ein Fischbrötchen für alle. Unterwegs regnete es und Frau S. schlief immer wieder ein. Eine Überraschung sollte es noch geben: Im Wünschewagen druckte Kerstin Henn die Bilder des Tages mit einem mobilen Fotodrucker aus und erstellte – wie bei jeder Fahrt – ein kleines Fotoalbum zur Erinnerung an den tollen Tag.

Gegen 20.30 Uhr waren sie zurück im Hospiz. „Der Himmel weinte, es regnete stark, und wir weinten alle mit.“ Frau S. wünschte sich einen kurzen Abschied. Sie war erschöpft, müde und wollte nur noch in ihr Zimmer. Nur ihr Mann sollte sie begleiten. „Ich überreichte ihr das kleine Album und Frau S. war fast sprachlos vor Freude.“

„Frau S. und ihre Liebsten sind mir in mein Herz gekrabbelt! Was für eine Familie, mit all ihrem Glück, mit all ihrer Angst, mit all ihren Sorgen – eine ganz normale Familie...und dennoch so besonders. Die Liebe untereinander, der Respekt und auch die Fröhlichkeit, der Zusammenhalt in dieser so schweren Zeit haben mich beeindruckt. Ich war ‚nur‘ Gast für einen Tag und dennoch haben sie es geschafft, dass ich mich gefühlt habe, als gehöre ich dazu! Von Herzen lieben Dank dafür!

Frau S. verstarb Mitte Oktober an den Folgen ihres Krebsleidens. Die Familie wird den Besuch auf der Insel Usedom aber noch lange in Erinnerung behalten.