• slide
  • slide
  • slide
  • slide
  • slide
  • slide
  • slide
  • slide

Noch einmal die Trauung der Enkelin erleben

Ein Mann, der für den früheren US-Präsidenten Ronald Reagan einst eine Torte buk, fuhr mit dem Wünschewagen zur Hochzeit seiner Enkeltochter.

Potsdam/Berlin-Wannsee, 04.09.2020. Die Hochzeit eines nahen und geliebten Angehörigen gehört zweifelsohne zu den schönsten Lebensereignissen. Ein solches wollte auch Wolfgang Andresen trotz seiner schweren, unheilbaren Krankheit unbedingt noch erleben. Seit Anfang
August 2020 ist er Gast im Diakonie-Hospiz Wannsee. Aufgrund seines besonderen Wunsches erreichte das Team den Brandenburger Wünschewagens eine Anfrage von Sozialarbeiter André Guttenberger:

„Seine Enkelin heiratet am 29. August. Er hatte eigentlich schon nicht mehr geglaubt, an der Trauung teilnehmen zu können. Er hat alle Kinder und Enkelkinder begleitet, ist ein absoluter Familienmensch und würde sich sehr freuen, mit Hilfe des Wünschewagens doch noch die Möglichkeit zu bekommen, auch bei der Trauung seiner Enkeltochter dabei sein zu können.“

Der 78-jährige Vater von zwei Söhnen ist auf Rollator und Sauerstoffapparat angewiesen, dennoch konnte sein sehnlichster Wunsch erfüllt werden, da er sich zu dieser Zeit in einem guten Allgemeinzustand befand. Statt auf gepackten Koffern saß Wolfgang Adresen am 29. August also auf seinem Rollator im Eingangsbereich des Hospizes und wartete auf das Wünschewagen-Team um die Ehrenamtler Marcus Ludwig und Kirsten Scherenschlich, um mit ihnen gemeinsam nach Wulkow zu fahren. Wulkow, ein Ortsteil von Neuhardenberg im Landkreis Märkisch-Oderland, ist vielen vor allem wegen des imposanten Schlosses ein Begriff – und genau dort fand die Trauung der Enkelin statt. Die 1,5-stündige Fahr stellte für Wolfang Andresen keine Hürde dar, zu aufgeregt und glücklich war er an diesem Tag in der Voraussicht, viele Familienmitglieder wiederzutreffen, die er lange nicht mehr gesehen hatte. „In letzter Zeit ging es mir manchmal so schlecht“, erzählte der ehemalige Bäcker-und Konditormeister, „Darum glaubte ich schon nicht mehr daran, bei der Hochzeit dabei sein zu können. Ohne die Hilfe des ASB hätte es auch nicht geklappt.“

Es war ein ganz besonderer Moment für ihn, als er, gekleidet in einen noch spontan besorgten Anzug, die Braut sowie viele seiner Angehörigen begrüßen durfte. Als Familienmensch war die Anwesenheit seiner Kinder und Enkelkinder Zeit seines Lebens eine Selbstverständlichkeit. Umso
herzlicher war nun der Moment der Wiederbegegnung.

Die Trauung fand in der örtlichen Kirche statt. Wolfgang Andresen durfte aufgrund seines körperlichen Zustands in der ersten Reihe Platz nehmen und seiner Enkelin so besonders nah sein – ein sehr emotionaler Moment! Während der anschließenden Feier im Schloss Wulkow erzählte der 78-jährige Fahrgast viel aus seinem Leben, unter anderem, dass er als Konditor für seine Kinder einst die Hochzeitstorten gebacken hatte. „Es macht mich etwas traurig, dass ich das für den heutigen Tag nicht mehr machen konnte“. Dafür holte Wolfgang Andresen noch eine ganz andere Geschichte aus der Klamottenkiste: „Im Jahr 1987 war der damalige US-Präsident Ronald Reagan zu Gast in Berlin. Ich durfte für ihn als einziger Konditor der Hauptstadt eine Torte kreieren“, berichtete der ehemalige Bäckermeister. „Hinzu kamen noch 64 weitere Torten für die Gefolgsleute und das an nur einem einzigen Tag!“

Nur für die Torte der Enkelin fehlte Wolfgang Andresen an diesem Tag leider der Appetit. Mit vielen schönen Erinnerungen, einem kleinen Fotoalbum mit Bildern des Tages und einem Blumenstrauß von der Hochzeit im Gepäck trat er aber dennoch sehr zufrieden und überglücklich die Heimreise an.